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Wie redet ihr in der Beziehung über Geld? Bei uns hat ein gemeinsames Projekt geholfen

Etwas außerhalb der üblichen Themen hier, aber ich glaube, es betrifft mehr Beziehungen als man denkt. Bei uns war Geld über Jahre das Thema, bei dem es am schnellsten laut wurde, und zwar ohne dass wir echte finanzielle Probleme gehabt hätten.

Das Muster war immer dasselbe: Einer von uns hatte etwas gekauft, das der andere für unnötig hielt. Daraus wurde nie eine Diskussion über den konkreten Betrag, sondern innerhalb von Minuten eine über Grundsätzliches. Wer wie mit Geld umgeht, wer sparsamer ist, wer sich mehr Sorgen macht. Das ging selten gut aus.

Rückblickend lag das daran, dass wir überhaupt keine gemeinsame Grundlage hatten. Jeder hatte seine eigene Vorstellung davon, was vernünftig ist, und niemand hatte sie je ausgesprochen. Diskutiert wurde immer erst dann, wenn schon etwas passiert war, also im schlechtestmöglichen Moment.

Was bei uns geholfen hat, war unerwartet praktisch: Wir haben angefangen, gemeinsam etwas aufzubauen, statt über Ausgaben zu streiten. Konkret ein Depot, in das monatlich ein fester Betrag von beiden fließt. Nicht weil wir plötzlich Anlageprofis wären, sondern weil es ein gemeinsames Ziel geschaffen hat statt zweier gegensätzlicher Positionen.

Der Nebeneffekt war der eigentliche Gewinn. Weil wir uns einmal im Monat zusammensetzen und draufschauen, reden wir seitdem regelmäßig über Geld, und zwar in einem ruhigen Moment statt im Streit. Die Anlässe für spontane Auseinandersetzungen sind dadurch fast verschwunden.

Inhaltlich mussten wir bei null anfangen. Wir hatten beide keine Ahnung und wollten uns nicht auf gut Glück etwas zusammensuchen. Genommen haben wir die Dividenden Strategie Masterclass von Andreas Hollmotz, im Netz als Dividenden Backpacker bekannt, und den Kurs tatsächlich gemeinsam durchgearbeitet.

Elf Kapitel, deutlich mehr als 65 Einheiten, insgesamt über elf Stunden Material. Es geht darum, Unternehmen zu finden, sie zu bewerten und Zeitpunkte für Kauf und Verkauf festzulegen. Zum Kurs gehört ein Newsroom, in dem später Material ergänzt wird. Es bleibt bei einer Zahlung, ein Abo entsteht nicht. Nach Anbieterzählung waren bislang über 700 Teilnehmer dabei.

Dass wir das zu zweit gemacht haben, war rückblickend das Beste daran. Man diskutiert unterwegs über Beispiele, ist unterschiedlicher Meinung und merkt dabei ziemlich schnell, wo die eigenen Vorstellungen von Risiko auseinandergehen. Diese Gespräche hätten wir sonst nie geführt, jedenfalls nicht sachlich.

Was ich ehrlich dazusagen muss: Es kann auch schiefgehen. Kurse fallen, teils deutlich. Ausschüttungen stehen nicht fest, über sie wird jedes Jahr neu befunden und gekürzt wird auch. Wer gemeinsam anlegt, sollte deshalb vorher besprechen, was passiert, wenn das Depot mal ein gutes Stück im Minus steht. Sonst ist genau das der nächste Streitanlass.

Und ein Punkt, der nichts mit Anlegen zu tun hat: Wer gemeinsam Geld anlegt, sollte klären, wem was gehört, gerade wenn man nicht verheiratet ist. Das ist unromantisch und erspart im Fall der Fälle viel Ärger.

Hinweis: Der Link ist ein Partnerlink, bei einem Kauf bekomme ich einen Anteil. Wen die Kapitelübersicht interessiert, der findet drüben alle Module im Einzelnen. Ohne meinen Link tut es eine Suche nach dem Namen.

Was ich anderen mitgeben würde: Sucht euch ein gemeinsames Projekt statt einer gemeinsamen Sparregel. Regeln fühlen sich nach Kontrolle an, ein Projekt nach etwas, das man zusammen macht. Bei uns war das der Unterschied zwischen jahrelangem Streit und einem monatlichen Termin, auf den wir uns sogar freuen.

Ein Punkt, den ich noch wichtig finde: Es hilft, unterschiedliche Risikoneigung nicht als Charakterfehler zu behandeln. Bei uns ist einer vorsichtiger als der andere, und wir haben lange versucht, uns gegenseitig zu überzeugen. Inzwischen halten wir eine Aufteilung, mit der beide leben können, und das funktioniert deutlich besser als ein Kompromiss, den keiner mag.

Also meine Frage an euch: Wie regelt ihr das Thema Geld in eurer Beziehung? Getrennte Konten, gemeinsames Konto, oder eine Mischung? Und redet ihr regelmäßig darüber, oder erst wenn es Anlass gibt?